Zamoyski, Adam - 1812 by Napoleons Feldzug in Russland

Zamoyski, Adam - 1812 by Napoleons Feldzug in Russland

Author:Napoleons Feldzug in Russland
Format: epub


Es war eine gute Stellung. Sie lag zu weit von Moskau entfernt, um einen Angriff Napoleons zu provozieren, und doch ließen sich von ihr aus Operationen gegen die feindlichen Verbindungslinien unternehmen; außerdem beherrschte sie die Wege nach Kaluga und Tula. Dort lagen die Zentren der russischen Waffenproduktion, die auch die Tore zum fruchtbaren Süden waren. Sobald die Vorzüge dieser Wahl offenbar wurden, beanspruchten auch andere Kommandeure das Verdienst, sie getroffen zu haben. In Wahrheit gebot, wie Clausewitz hervorhob, eine logische Zwangsläufigkeit und nicht irgendein Geniestreich diesen Standort.[37]

Was Kutusow brauchte, war Zeit; er bezeichnete später jeden in Tarutino verbrachten Tag als einen «goldenen», da die Armee infolge der Ruhepause wieder zu Kräften kommen konnte. Aus Kaluga und Tula kam nun Nachschub an Lebensmitteln und Ausrüstung. Bauern aus dem Umland schleppten Eier, Milch, Brot und Pirogen herbei, während Händler auftauchten, mit ihren Karren Waren aller Art herbeischafften und sich die Soldaten mit allem eindecken konnten, was sie benötigten. Kutusow bestellte Winteruniformen – dicke Hosen, Schaffellmäntel, gefütterte Stiefel und Handschuhe – für die ganze Armee. Die Soldaten hoben Gräben aus und bauten «Banjas», russische Dampfbäder, in denen sie sich waschen und entspannen konnten.

«Wir verbringen die Zeit recht angenehm», schrieb Nikolaj Dmitrijewitsch Durnowo, ein Offizier in Bennigsens Stab. «Den ganzen Tag ernähren wir uns, wir essen und trinken.» «Wir haben einen Rindereintopf gekocht und manchmal auch Bortschtsch mit Kohl, roten Beten und anderem Gemüse zubereitet», schwärmte Leutnant Nikolaj Mitarewskij. «Wir haben Rindfleisch und sogar Geflügel gebraten, wir haben Buchweizen mit Butter und Kartoffeln gekocht.» Sie saßen zusammen, spielten Karten und plauderten, und am Abend rauchten sie ihre Pfeifen und lauschten den Soldaten, die an den Lagerfeuern Lieder sangen. Jeden Abend wurden, begleitet von religiösen Gesängen, Messen vor der Gottesmutter von Smolensk abgehalten, bei denen Kutusow oft anwesend war.[38]

Der Feldmarschall hatte Quartier in einem Bauernhaus am Rande des Dorfes Letaschewka bezogen. Es verfügte über einen Raum, den er zur Arbeit nutzte; sein Bett in der Ecke war durch einen Vorhang abgetrennt. Bennigsen hatte ein etwas größeres Haus gegenüber belegt, und andere Offiziere drängten sich so gut es ging in den Hütten der näheren Umgebung.

Die Felddruckerei, die ihm Alexander zur Verfügung gestellt hatte, ermöglichte Kutusow, eine Flut von Propaganda zu verbreiten. Regelmäßige Bulletins, die Iswestija is Armii («Nachrichten von der Armee»), berichteten über jedes Scharmützel und bauschten deren Bedeutung auf, wie sie auch die Zahlen der gefangengenommenen französischen Soldaten und der erbeuteten Kanonen heftig übertrieben. Noch wichtiger war, daß die Bulletins glückliche, tapfere und kampfeslustige russische Soldaten auf wohlgenährten Pferden präsentierten. Um die Verwundeten kümmerten sich Ehefrauen und Mütter in liebevoller Fürsorge, und jeder Bauer war ein echter Sohn des Vaterlands, bereit, die Armee in ihrem Kampf zu unterstützen. Die Franzosen dagegen wurden als hungrig, traurig und einsam dargestellt. Das war psychologisch raffiniert gemacht, denn es gab den Soldaten, die eben nicht nur eine Niederlage, sondern außerdem den Schock erlitten hatten, daß ihre verehrte Hauptstadt eingenommen und niedergebrannt worden war, Trost und Auftrieb.

Die Einheiten wurden verstärkt, und die neuen Rekruten erhielten eine elementare Ausbildung. Aber diesmal



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